Inklusion für geflüchtete Kinder

Das Thema Inklusion von geflüchteten Jugendlichen ist in aller Munde, die Umsetzung variiert aber sehr stark. Das hängt sehr stark von den Bedingungen ab, in denen Inklusion stattfindet bzw. stattfinden soll.
Inkludere heißt soviel wie „einschließen“, „einbeziehen“. Das „wie“ gestaltet sich jedoch von Schulform zu Schulform unterschiedlich.
Grundsätzlich verantwortlich sind schulformspezifische Abschlussvoraussetzungen, die unterschiedlichen Curricula und andere Schulformspezifika.
Zu diesen eher formalen Kriterien kommen noch die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schüler und Schülerinnen.
Hier ein Versuch sie gegeneinander zu stellen:

Geflüchtete Kinder / JugendlicheKinder / Jugendliche in Regelklasse
entwicklungspsychologische Komponentein einer altershomogenen Klasse gleich
fluchtspezifische Komponentesind in der altershomogenen Klasse weitgehend unbekannt
herkunftsspezifische Komponentedivergiert
fehlende SprachkompetenzSprachkompetenz vorhanden
kulturelle Besonderheitendivergiert
damit zusammenhängende Wertevorstellungendivergieren
Schulsystem weitgehend unbekanntSchulsystem bekannt

Alle Inklusionsbestrebungen müssen diese Aspekte einkalkulieren.
Inwiefern und mit welchen Mitteln kann das im laufenden Schulbetrieb in einer Regelklasse geleistet werden?
Gehen wir von normalen Klassenstärken von durchschnittlich 28 Schüler*innen aus, ohne Teamteaching oder Doppelbesetzung, dann ist eine individuelle Zuwendung unmöglich. Diese Art von Betreuung ist aber nötig, wenn die Sprachkompetenz nicht ausreicht, um dem Lehrstoff rudimentär zu folgen. Auch ein Helferprinzip anzuwenden, muss als Methode erst eingeübt werden, da meiner Erfahrung nach Gruppen-oder Partnerarbeit weitgehend unbekannt sind.
Somit wird ein ausschließliches Einbeziehen in eine Klassengemeinschaft i.S. einer Inklusion nur unter größten Schwierigkeiten möglich.
Eine umgehende Übernahme in eine Regelklasse ist erst nach Feststellung der Sprachkompetenz anzuraten. Wobei die gängigen Bezeichnungen nach dem ERR für die in der Schule benötigte Bildungssprache nicht aussagekräftig ist, bzw. erst ab C1 greifen..
Mit B1 sind die sozialen Kontakte durch die Umgangssprache möglich. Daher, zum Erlernen der Bildungssprache, benötigt der Schüler/die Schülerin auf jeden Fall noch flankierenden DaZ-Unterricht.
Ein weiteres Kriterium ist das Entwicklungsalter der geflüchteten Kinder.
Während jüngere Kinder ca. bis 12-13 Jahre sehr kreativ und spontan in das Lernen stürzen, erlebe ich die Jugendlichen, die sich in der Pubertät befinden, als dreifach belastet:
-neue Sprache lernen
– sich in einem unbekannten Land zurecht finden
– die Schwierigkeiten bewältigen, die eine Pubertät mit sich bringt. Als Letztes wären noch diejenigen Schüler und Schülerinnen zu erwähnen, die der lateinischen Schrift nicht mächtig sind oder gänzliche Analphabeten.
Dass bei diesen unterschiedlichsten Schwierigkeiten eine einheitliche Inklusion nicht zielführend ist, ist nachvollziebar.
Aus diesem Grund haben wir an unserer Schule ein Phasenmodell entwickelt, das durch eine schrittweise Inklusion den bestmöglichen zu erreichenden Abschluss erzielt werden kann..